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Die Linke

Frack aus, Kneipe rein

Wenn die Sächsische Staatskapelle die Frackschleife lockert und in die Neustadt-Kneipen zieht, wird aus Hochkultur ein Volksfest.

Fagotteria im Combo - Foto: Anton Launer
Fagotteria im Combo – Foto: Anton Launer

Aus der Kneipe dringen leise Töne, die immer lauter werden und rhythmisch anschwellen – dann setzt das begeisterte Publikum in Gruber’s Welt ein, schließlich klatschen auch die Draußenstehenden im 2/4-Takt mit. Verzückt sagt eine junge Frau zu ihrem Begleiter: „It’s so amazing – a wonderful night.“

Während der letzte Song hier gerade verklingt, ist gegenüber im Combo noch etwas los. Die Fagotteria spielt Werke von Rossini, Piazzolla und Bach – mitgebracht haben die Musiker dafür unter anderem ein Kontrafagott, den tiefsten Vertreter der Holzblasinstrumente im Orchester. Auch hier hat sich eine Traube vor dem Café gebildet.

Jürgen-Umbreit-Trio im Wohnzimmer - Foto: Anton Launer
Jürgen-Umbreit-Trio im Wohnzimmer – Foto: Anton Launer

Die Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle haben Frack und Fliege abgelegt und spielen am Mittwochabend in zehn Kneipen und Cafés in der Neustadt. Der Schreiber dieser Zeilen hat vorsorglich im Wohnzimmer reserviert. Ab 19.30 Uhr tritt hier das Jürgen-Umbreit-Trio auf: Jürgen May am Schlagzeug, Martin Knauer am Kontrabass und Jürgen Umbreit am Piano. Kurz vor Beginn ist das Café rammelvoll und mucksmäuschenstill. Während May mit dem Besen Trommeln und Becken streichelt, zupft Knauer tiefe Töne aus dem Bass und Umbreit greift in die Tasten. Es entsteht eine stimmungsvolle Jazz-Session. Nach jedem Stück brandet Applaus auf, nach einer halben Stunde ist schon wieder Schluss. Die zweite Show startet um 20.30 Uhr.

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Ein Großteil des Publikums nutzt die Gelegenheit für einen Ortswechsel und strömt ins Eckstein zu Flötenklängen oder in Katys Garage. Dort wird es richtig wild. Denn wie im Vorjahr ist die „Kapelle im Wald“ eingezogen und präsentiert Blasmusik der etwas volkstümlicheren Art. Spätestens als „Rosamunde“ gespielt wird, hätte ich mein Radeberger gern gegen ein Weißbier eingetauscht. Auf den Bierbänken wird nun ordentlich geschunkelt, eine Mutter wagt mit ihren Söhnen ein flottes Tänzchen. Bier und Bowle fließen in Strömen, und Katys-Chef Stefan Hübner blickt zufrieden in den brechend vollen Biergarten.

Kapelle im Wald in Katys Garage - Foto: Anton Launer
Kapelle im Wald in Katys Garage – Foto: Anton Launer

„Ohne Frack auf Tour“ scheint für alle Beteiligten ein Gewinn zu sein: Die Neustadt-Kneipen sind voll, die Kapelle zeigt sich einem anderen Publikum – und den Musikerinnen und Musikern, die übrigens ohne Honorar und auf freiwilliger Basis auftreten, bereitet die Sache offensichtlich großen Spaß.

6 Kommentare

  1. Das war mal eine ganz tolle Veranstaltung! Danke dafür liebe MusikerInnen und Gastgeber-Kneipen. Cellohoch4 war mein Favorit. Gerne wieder!

  2. Auf so vielen Ebenen eine ganz eine schlimme eine Veranstaltung. Aber nichtsdestotrotz respektabel. Viele haben nix verpasst. „Ja aber! Ohne Schlüps! Ohne Gage!“.

    Manchmal fühle ich das „statler & waldorf“-Gen in mir.

    Beste Grüße
    Peter

  3. Im Bottoms Up war schöne Stimmung.

    In der Combo Bar waren die Ansagen von Musiker draußen nicht zu hören. Sowas verstehe ich nicht, da kommen Musiker und in ihrer Freizeit ohne Gage und dann scheitert es an einem ordentlich eingestellten Mikrofon bzw. Anlage…

  4. @Peter H aus D an der E
    Tut mir Leid: Ein auf so vielen Ebenen schlimmer Kommentar (Grammatikebene. Toleranzebene. Sinn-vons-Ganze-Ebene…) Aber Lichtblick: Die Selbsterkenntnis macht Mut. Kämpfen Sie! Genetische Disposition ist kein Absolutum, und schlechtgelaunte Nörgler haben wir hier schon mehr als genug!
    Mein unverbindlicher Tip: Klein anfangen! Versuchen Sie, in einer Meldung den EINEN positiven Aspekt zu finden und streichen Sie den heraus! Hier z.B. könnte man sagen: „Wie schön, dass eine Menge Menschen für ein paar Minuten Freude hatten, sogar weitgehend ungetrübt von finanziellen Belangen!“ Sehen Sie, das waren sogar schon zwei! Es ist gar nicht so schwer! Und wenn es wirklich mal nicht geht: Vielleicht in Erwägung ziehen, lieber nix zu schreiben, als rumzuningeln?! Ist nicht so leicht, schon klar. Macht die Welt aber ein winziges Stückchen besser…

  5. Ich konnte leider nicht beiwohnen. Hier hat Helene bei der Wahl der Unterhaltung an diesem Abend für mich gewonnen. Aber ich war bereits zu abgeFRACKt im Kulturpalast. Das war erfrischend anders.

    @Schweesdo Onie

    Ich bewundere Ihren Optimismus. Sie scheinen tatsächlich zu glauben, die Welt werde besser, wenn man nur ausreichend positive Aspekte herausstreicht.

    Nun könnte man natürlich ebenso argumentieren, dass die Welt nicht zwangsläufig dadurch besser wird, dass jede kritische Bemerkung sofort therapeutisch begleitet wird.

    Mich amüsiert immer wieder die Vorstellung, Kritik sei nur dann zulässig, wenn sie vorher durch eine Art Empörungskommission auf ihre ausreichende Fröhlichkeit geprüft wurde. Wer etwas nicht mag, soll zunächst drei Komplimente vortragen, zweimal lächeln und anschließend versichern, dass er grundsätzlich ein guter Mensch ist.

    Dabei hatte Peter doch sogar etwas Positives geschrieben. Er nannte die Veranstaltung respektabel. Das scheint heutzutage allerdings nicht mehr zu reichen. Offenbar muss Begeisterung inzwischen in einer Mindestdosis verabreicht werden, sonst gilt sie als Mangelerscheinung.

    Vielleicht besteht Toleranz ja nicht nur darin, Begeisterung auszuhalten, sondern gelegentlich auch jemanden zu ertragen, der eine Sache schlicht nicht besonders gelungen findet.

    Und wenn wir schon beim Kampf gegen genetische Dispositionen sind: Das Nörgler-Gen mag lästig sein. Das Missionierungs-Gen wirkt allerdings auch nicht immer völlig nebenwirkungsfrei.

  6. Wer die Selbstironie im Geschriebenen nicht erkannt hat/erkennen kann|will, darf sich durchaus auch an die eigenen letzten drei Sätze halten ;)

    Beste Grüße
    Peter

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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