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Nummer drei: Die Neustadt wird automatisiert

Bei der Google-Suche bevorzugen!

Wo bis vor Kurzem noch Tattoos gestochen wurden, kommen jetzt Red Bull, Fruchtgummi und Feldschlösschen aus der Wand: Auf der Louisenstraße hat ein „Vendys“ eröffnet. Der Shop ist rund um die Uhr geöffnet – und hat von sauren Drachenzungen bis Drehtabak einiges auf Lager.

Walter Bersch und Robert Mattes haben das Vendys auf der Louisenstraße eröffnet. Foto: Anton Launer
Walter Bersch und Robert Mattes haben das Vendys auf der Louisenstraße eröffnet. Foto: Anton Launer

Seit dem 18. September steht in der Louisenstraße der vierte Laden der Kette – und der erste in der Neustadt. Dahinter stecken Gründer Walter Bersch, der die Geräte aufstellt, und sein Freund Robert Mattes. Die beiden kennen sich seit Kindertagen, Mattes übernimmt den Laden als zweiter Franchise-Partner. Nach dem Hirsch und dem Snack-O-Mat ist Vendys nun schon der dritte Selbstbedienungsladen dieser Art im Viertel. Die Neustadt automatisiert sich.

Fruchtgummi, Feldschlösschen, Fuffziger

Rund 160 Produkte hängen nach Angaben der Betreiber in der Neustadt-Filiale. Der Schwerpunkt liegt auf Getränken, Snacks und Mystery-Packs – bei Letzteren weiß man vorher eben nicht so genau, was man bekommt. Dazu kommen Kondome, Sextoys, CBD-Produkte, Vapes und Drehtabak, ein Kippenautomat steht daneben.

„Das meistverkaufte Produkt sind tatsächlich saure Drachenzungen“, sagt Bersch. Aber auch Kinder-Schokobons und der Klassiker Red Bull werden gut nachgefragt.

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Bersch setzt auf Großpackungen zum Discountpreis. So kostet die 128-Gramm-Packung M&M’s 3,50 Euro. Die Halbliterdose Feldschlösschen gibt’s für 2 Euro, Pfand inklusive. Bis zu zehn Artikel lassen sich auf einmal kaufen und landen zunächst in einem digitalen Warenkorb. Danach fällt die Beute ins Ausgabefach.

Bei Tabak, Vapes und Alkohol ist Schluss mit der schrankenlosen Selbstbedienung: Alles gibt es erst ab 18 Jahren. Dafür muss man sich mit dem Ausweis freischalten.

Dreimal die Woche neu bestückt

Dreimal pro Woche wird nachgefüllt, berichtet Mattes. Über alle Filialen hinweg hat Bersch nach eigenen Angaben bis zu 700 verschiedene Produkte im Umlauf. Und er will weiter wachsen: Bis Ende 2027 soll der zehnte Vendys eröffnen. Auch bei der einen Neustadt-Filiale muss es nicht bleiben, weitere Standorte sind denkbar.

Und wie läuft’s an der Louisenstraße? „Es läuft so an, wie gedacht“, sagt Mattes. Der Laden müsse sich nun etablieren.

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Platz für noch mehr wäre jedenfalls vorhanden. Eine Wand ist bislang frei. Dort würde Bersch gern, wie schon in Pieschen, einen Boxautomaten aufstellen. Wenn der Hunger auf Drachenzungen, Bier und Mystery-Packs größer wird, könnte außerdem eine zweite Reihe Verkaufsgeräte folgen.

Und weil selbst der Gang zum Laden offenbar noch digitaler werden kann, denkt Bersch bereits über eine App nach. Darin soll man vorab sehen können, welche Produkte gerade verfügbar sind. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Vendys

Rund um die Uhr geöffnet. Foto: Anton Launer
Rund um die Uhr geöffnet. Foto: Anton Launer
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20 Kommentare

  1. Etwas mehr Auswahl bei alkoholischen Getränken wäre eine Abwechslung zum sonst üblichem Angebot, aber grundsätzlich eine tolle Sache.

  2. @DD Hecht- Bewohner
    Ich stimme voll und ganz zu.
    Dies macht kleiner Läden und somit Stadtviertel kaputt.

  3. @Anonym
    Um ein Stadtviertel zu zerstören, müsste es zunächst einmal funktionieren. Oder meinen Sie Vandalismus? Der geht tatsächlich weitgehend von allein.

    Ein Laden, der vielleicht nicht jeden anspricht, aber immerhin einen Leerstand reduziert, ist grundsätzlich erst einmal eine gute Sache. Ob sich das Konzept dauerhaft trägt, entscheiden am Ende Angebot und Nachfrage.

    Bei der angeblichen „Zerstörung kleiner Läden“ würde mich allerdings interessieren, welche konkret gemeint sind. Die Dönerrestaurants oder die Barbiere? Ein besonders vielfältiger Einzelhandelsstandort ist die Neustadt schließlich schon länger nur noch bedingt.

  4. @Monsieur Calvin Candie:
    die kleinen Spätis und Tante Emma Läden, die alle zu kämpfen haben zum Beispiel. Läden in denen soziales Miteinander passiert.

    Automaten Läden machen doch gerade in der Neustadt keinen Sinn, weil es ein so breites Angebot an Spätis gibt. Platziert die Läden doch in Randgebieten, Stadtteilen mit keinen Spätis oder ganz verrückt auf dem Dorf – dort wo es v.a. mobilitätseingeschränkte Menschen wirklich brauchen.

  5. @Neustädterin
    Dass zusätzliche Konkurrenz bei bestehenden Händlern selten Jubel auslöst, dürfte klar sein. Konkurrenz belebt aber nun einmal das Geschäft und wenn es, wie Sie selbst schreiben, in der Neustadt ein breites Angebot an Spätis gibt, scheint die Nachfrage dafür ja grundsätzlich vorhanden zu sein. Man sollte außerdem die konkrete Gewerbeeinheit betrachten. Bei dieser Größe dürfte die Zahl sinnvoller alternativer Nutzungen überschaubar sein. Und auch beim „sozialen Miteinander“ würde ich nicht automatisch von den eigenen Vorlieben auf alle anderen schließen. Es gibt durchaus Menschen, die ein sauberes, aufgeräumtes und modernes Ladenkonzept einem bis unter die Decke zugestellten Warenlager vorziehen. Und nicht jeder möchte beim Kauf von Getränken oder Snacks zwingend soziale Kontakte pflegen, erst recht nicht mit jedem Teil des Publikums, das sich zu später Stunde gern vor manchen Spätis versammelt.

    Der Hinweis auf Stadtrand und Dorf klingt zunächst sympathisch, funktioniert wirtschaftlich aber leider andersherum. Wo ausreichend Nachfrage besteht und Menschen bereit sind, für ein Angebot Geld auszugeben, finden sich normalerweise auch Händler. Wenn solche Konzepte dort bislang kaum entstehen, dürfte das eher darauf hindeuten, dass sie sich wirtschaftlich nicht tragen.

    Wenn die Menschen lieber beim Späti kaufen und dort das soziale Miteinander genießen möchten, werden sie das weiterhin tun. Wenn sie Vendys bevorzugen, offenbar auch. Warum ausgerechnet diese Entscheidung nicht den Kunden überlassen werden sollte, erschließt sich mir nicht.

  6. Na mal sehen, wenn das erste Automatencafé aufmacht oder eine Automatenkneipe, wo man dann direkt aus’m Hahn saufen kann.

  7. @Monsieur Calvin Candie:

    ich finde, dass Spätis auch eine Art Straßenarbeit übernehmen und das sollte man nicht mit „Angebot und Nachfrage“ runterreden. Vor den Automatenläden können sich die Leute übrigens auch ungestörter zu späterer Stunde aufhalten ohne dass jemand aus dem Laden einen Blick auf die hat.

    Auf den Dörfern machen immer mehr Geschäfte zu, weil natürlich die Nachfrage fehlt und die Personalkosten wahrscheinlich dann zu hoch sind. Aber genau das ist ja der Vorteil dieser Automatenläden und es gibt auch einige ähnliche Pilotprojekte auf dem Land, die sowas probieren. Dort wird es wirklich gebraucht. Die Menschen die dort leben, brauchen auch Möglichkeiten zum Einkaufen, vor allem die die nicht so mobil unterwegs sind. Die Läden zu schließen und die Leute 20km ins nächste Dorf fahren zu lassen, ist denke ich keine Lösung für alle, nur für welche mit Auto.
    Aber klar, der Markt regelt das schon.

  8. Mich würde in diesem konkreten Fall interessieren, wie „Konkurrenz aber nun einmal das Geschäft belebt“.

  9. @Monsieur Calvin Candie Mensch könnte es verkürzt auch so ausdrücken: Der Automat ist Verrat am Proletariat! … Sieh Selbstbedienungskassen als nur ein Beispiel an. Nicht nur für Millionen Einzelhandelsknechte gibt es diesmal eben keine „einfachen“ neuen Jobs in anderen Wirtschaftsbereichen. (Was zunehmend eben nur einen immer kleiner werdenden Teil der auf Lohnarbeit angewiesenen Leute „rettet“. Dieser schrumpft und schrumpft.)… https://de.wikipedia.org/wiki/Maschinenst%C3%BCrmer – Möglicherweise wird sich schon bald wieder ähnliches abspielen. Aus selbigen Gründen. Sicher nicht so, aber sicher sehr ähnlich. Ich würde da beinahe jede Wette mitgehen. Heute sind allerdings weltweit noch wesentlich mehr Menschen und sehr viel mehr Wirtschaftsbereiche gleichzeitig davon betroffen, als es noch 1844 der Fall war und die Möglichkeiten der Menschen dagegen vorzugehen (zu müssen) sind ebenfalls andere. Lass der Fantasie mal ein wenig Raum. Was für eine Welt willst du? ;)

  10. @Monsieur Calvin Candie

    P.s. Lass mich doch bitte mal wissen, was Du so beruflich machst und dann gebe ich Dir eine Prognose, ob Du überhaupt noch eine Chance hast nach 45 Jahren ABSCHLAGSFREI in Rente zu gehen, oder ob Du demnächst unnötig wirst! ;)

  11. @Monsieur Calvin Candie Bonus (Ich könnte das noch ewig fortführen): https://www.youtube.com/watch?v=fAoebPeOaLI https://youtu.be/RaTKObI1xyc Verstehe mich nicht falsch, ich finde Fortschritt super, aber so wird er allumfassend sämtliche bestehenden Systeme sprengen. Ob gewollt oder nicht. Woran alle Systemkritiker gescheitert sind, nämlich Veränderung auf Basis menschlicher Vernunft zu erreichen, wird KI + Technisierung schaffen, aber wohl ganz ohne menschliche Vernunft. Die Richtung für die Menschen ist dabei offen, allerdings sind die Prognosen kaum gut.

  12. @DDHecht-Bewohner
    Bitte verzeihen Sie, wenn ich angesichts der inzwischen beachtlichen Informationsflut nicht auf jede Frage und jeden Link einzeln eingehe. Ein paar Getränkeautomaten oder die Einführung von Selbstbedienungskassen würde ich zunächst allerdings noch nicht zum großen technologischen Umbruch der Menschheitsgeschichte erklären.

    Bei aller technischen Entwicklung sollte man außerdem nicht außer Acht lassen, dass sich auch unsere Gesellschaft weiterentwickelt hat. Bei Wohlstand, Ansprüchen und persönlichen Möglichkeiten ebenso wie bei den Erwartungen an Arbeit. Wenn Löhne steigen sollen, wir möglichst früher in Rente gehen und gleichzeitig weniger arbeiten möchten, während Verbraucherpreise möglichst stabil bleiben oder sogar sinken sollen, muss die dadurch entstehende Lücke irgendwo geschlossen werden. Produktivität und Automatisierung sind zumindest ein Teil der Antwort darauf.

    Wenn sich ein Geschäft für einen Händler aufgrund seiner Kosten nicht mehr rechnet, wird er es irgendwann schließen und sein Kapital und seine Arbeitskraft dort einsetzen, wo sich damit noch Geld verdienen lässt. Ob dem Verbraucher geholfen wäre, wenn wir unrentable Geschäftsmodelle allein zum Erhalt bestimmter Arbeitsplätze konservieren, wage ich zu bezweifeln.

    Hinzu kommt ein Punkt, der bei der Diskussion über den armen, vom Automaten bedrohten Späti etwas untergeht: Wenn ich nachts bewusst an einem Automaten einkaufen möchte und es diesen nicht gibt, folgt daraus keineswegs, dass ich stattdessen zum Späti gehe. Das Angebot ist schließlich nicht überlebensnotwendig. Im Zweifel greife ich auf meine Prepper-Vorräte zu Hause zurück, verzichte auf das nächtliche Bier und gehe schlafen. Dem klassischen Späti ist damit exakt gar nicht geholfen.

    Den großen Bogen von einem Automatenkiosk auf der Louisenstraße über die Maschinenstürmer von 1844 bis hin zu KI, Robotern und dem möglichen Zusammenbruch unserer Wirtschafts- und Sozialsysteme würde ich an dieser Stelle allerdings ungern mitgehen. Ich bleibe ausnahmsweise bei den Gegebenheiten vor Ort. Sonst diskutieren wir am Ende noch darüber, ob der Automat mit sauren Drachenzungen den Kapitalismus abschafft.

    Um Ihre andere Frage trotzdem zu beantworten. Ich bin Plantagenbesitzer. Eine zunehmend aussterbende Spezies. Meine Lebenserwartung ist bekanntermaßen ebenfalls nicht besonders hoch. Letzteres trifft übrigens nicht nur auf mein Alter Ego zu, sondern dürfte angesichts meines liederlichen Lebenswandels auch in der Realität nicht völlig abwegig sein. Insofern gibt es für mich vermutlich wenig Anlass, mir über 45 Beitragsjahre und einen abschlagsfreien Ruhestand allzu viele Gedanken zu machen. Bis dahin bin ich wohl vor allem Einzahler ins Sozial- und Rentensystem.

    Und vielleicht liegt genau darin auch die weniger apokalyptische Antwort auf Ihre Frage. Berufe verändern sich, Tätigkeiten verschwinden und neue entstehen. Das war bei früheren technischen Entwicklungen so und wird auch diesmal so sein. Man muss mit der Zeit gehen, damit man nicht irgendwann mit der Zeit gehen muss.

  13. @Monsieur Calvin Candie „Berufe verändern sich, Tätigkeiten verschwinden und neue entstehen.“ War bisher auch nur zum Teil so und wird heutzutage eben nicht mehr so laufen. Bisher kamen umfassende Innovationen Stück für Stück. Jetzt steht Robotik (Automatisierung) KI und 3D-Druck zur gleichen Zeit am Start. Was bleiben denn für Tätigkeiten bzw. effektiv für wenn und welche Abschlüsse, die so bezahlt werden, um davon eine Familie zu ernähren? Für wie viele wird das funktionieren? Du als Plantagenbesitzer wachst bestimmt morgens auf und fragst dich, wie du möglichst viele Menschen irgendwie beschäftigen kannst, richtig? Sicher nicht, denn es ist auch gar nicht deine Aufgabe. – Wirtschaft ist dazu da den Menschen von Arbeit zu entlasten. – Technisierung ist ein wesentlicher Bestandteil davon und sie läuft systemsprengend spitz zu. Besonders wenn man sich dabei klarmacht, dass von ca.
    830 Mrd. Euro (2021) des Gesamtsteueraufkommens die Lohnsteuer ca. 220 Mrd. ausmachte.

  14. @Monsieur Calvin Candie p.s. Es werden immer weniger Menschen für die Herstellung eines Produkts benötigt. Nicht nur Geringverdiener-Jobs werden automatisiert. KI + 3D-Druckverfahren bedrohen Arbeitsplätze als einzige Einkommensquelle von Millionen Menschen nicht erst in vielen Jahren. Angefangen beim Acker über das Bauwesen bis hin zu medizinischen Bereichen. Alles gleichzeitig! Informatiker, welche schon heute große Teile von Software nicht mehr selbst schreiben, sondern KI-Agenten nutzen, wissen wenigstens wie sehr sie damit am eigenen Ast sägen, denn da ist es offen ausgesprochenes Ziel, den Menschen so weit wie möglich zu ersetzen. Gleichzeitig steigt aber die Produktion von Dingen und damit die Anzahl derer, die als kaufkräftige Konsumenten benötigt werden. Katze beißt Schwanz.

  15. @DDHecht-Bewohner
    Die Fragen zu KI, Automatisierung, Arbeitsplätzen und Sozialsystemen sind durchaus berechtigt. Ich bezweifle nur, dass ausgerechnet der Verzicht auf einen Getränkeautomaten auf der Louisenstraße die Antwort darauf sein wird. Technischer Fortschritt lässt sich nicht dadurch aufhalten, dass wir ineffizientere Strukturen aus Angst vor Veränderung künstlich erhalten.

    Vor allem sollten wir uns nicht einbilden, solche globalen Entwicklungen im Alleingang lösen zu können. Das funktioniert ungefähr so gut wie beim Klimawandel. Wenn wir hier aus moralischer Überlegenheit den Automaten abschalten, läuft er anderswo trotzdem weiter. Es möchte offensichtlich auch kein Mensch nachts im Supermarkt schuften. Nicht mal in China. Mit 24/7 Supermärkten bräuchten wir dann auch keine Spätis mehr. Oder werden in dem Fall alle Spätis zu Supermärkten?

    Wenn wir jede technische Entwicklung erst zulassen, nachdem ihre Auswirkungen auf die nächsten 50 Jahre abschließend geklärt sind, diskutieren wir bald darüber, ob das Rad nicht doch zu viele Träger arbeitslos gemacht hat.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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