Was haben ein Staubwedel und ein Hund mit Krieg zu tun? Eine ganze Menge, wenn es nach den Künstlerinnen Jördis Hirsch und Klara Bezug geht. Mit ihrer Ausstellung „Friedensangst“ im Artshop auf der Görlitzer Straße beschäftigen sie sich mit Kriegsrhetorik, militärischer Aufrüstung und der Macht der Sprache.

Seit dem 1. Oktober sind die Arbeiten des Künstlerduos „Güteklasse A“ im Artshop auf der Görlitzer Straße 32 zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. Oktober.
Im Mittelpunkt stehen Siebdrucke, die sich kritisch mit der Sprache rund um Krieg und Militär auseinandersetzen. So wird aus dem Begriff „ethnische Säuberung“ ein Staubwedel, darunter steht das Wort „Genozid“. Ein anderes Motiv zeigt einen faltigen Hund unter der Überschrift „Weiche Ziele“. Darunter steht schlicht „Menschen“.

Mit diesen Gegenüberstellungen wollen die Künstlerinnen zeigen, wie Begriffe Gewalt verschleiern oder verharmlosen können. Die Arbeiten gehören zur Serie „Euphemismen“, die 2025 und 2026 entstand. Es handelt sich um zweifarbige Siebdrucke im Format DIN A3, die in limitierter Auflage erschienen, nummeriert und signiert sind.
Kritik an militärischer Aufrüstung
Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Beobachtung der Künstlerinnen, dass militärische Themen zunehmend den öffentlichen Diskurs bestimmen. Besonders kritisch betrachten sie die Nachwuchswerbung der Bundeswehr. Diese verbinde militärische Strukturen mit gesellschaftlichen Werten wie Gleichberechtigung, Selbstverwirklichung und Meinungsfreiheit.
Die Künstlerinnen sehen darin die Gefahr, dass Krieg positiv dargestellt und militärische Gewalt durch geschickte Wortwahl verharmlost wird. Mit ihren Arbeiten möchten sie dazu anregen, Begriffe genauer zu hinterfragen und die Mechanismen politischer Kommunikation sichtbar zu machen.

Dabei beziehen Hirsch und Bezug ausdrücklich Position gegen Wettrüsten und Kriegspolitik. Zugleich betonen sie, dass unterschiedliche Meinungen und Perspektiven Teil einer lebendigen Debatte sein müssen.
„Unser Anliegen ist es, Räume offen zu halten – solche, die Gegensätze aushalten, Spannungen sichtbar werden lassen und in denen Disharmonien bewusst zugelassen sowie verschiedene Perspektiven als wesentlicher Bestandteil eines lebendigen Diskurses verstanden werden“, erklären die Künstlerinnen.
Siebdruckkunst auf der Görlitzer Straße
Der Artshop auf der Görlitzer Straße 32 ist Ausstellungs- und Verkaufsort für zeitgenössische Siebdruckkunst. Rund fünfmal im Jahr erhalten Künstlerinnen und Künstler dort die Möglichkeit, ihre Arbeiten über mehrere Wochen zu präsentieren. Der Laden beteiligt sich außerdem regelmäßig am Neustadt-Art-Festival und am Advenster.
Die Ausstellung „Friedensangst“ ist noch bis zum 28. Oktober zu sehen.
Friedensangst – Ausstellung
- Ausstellung: „Friedensangst“ von Güteklasse A
- Künstlerinnen: Jördis Hirsch und Klara Bezug
- Ort: Artshop, Görlitzer Straße 32, Dresden-Neustadt
- Laufzeit: 1. bis 28. Oktober 2026
- Der Artshop ist diese Woche bis Sonnabend täglich von 15 bis 19 Uhr geöffnet, weitere Infos und Öffnungszeiten auf Instagram























Ich sag nur Friedhofsruhe.
Ist doch top das sich die beiden Menschen frei und kritisch mit diesen Dingen auseinandersetzen können. Ebenfalls bekommen sie einen öffentlichen Raum in dem sie ihre Arbeiten ausstellen dürfen und darüber diskutieren können. Alles eine Errungenschaften unserer Gesellschaft und unserer Demokratie. Aber jetzt kommt es: Damit diese Dinge stattfinden können und Menschen sich so kritisch äußern können, braucht es leider ein System das diese Dinge im Krisenfall verteidigt. Die beiden Menschen können sich ja gern mal mit anderen Menschen aus autoritären Systemen darüber austauschen…..
Uns geht es einfach viel zu gut….
„Die Künstlerinnen sehen darin die Gefahr, dass Krieg positiv dargestellt und militärische Gewalt durch geschickte Wortwahl verharmlost wird.“
Was?
„Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
―Mahatma Gandhi
Das ist doch schön, wenn sich junge Menschen, in diesem Fall Künstler, Gedanken machen und sich kritisch mit der Realität auseinandersetzen. Machen das Menschen, auch Künstler, in Russland, China oder im Iran, werden sie in diesem, unserem Land gern hofiert. Die gefeierte Opposition. Machen sie das in diesem, unserem Land, dann müssen sie sich plötzlich Vorhaltungen gefallen lassen und möchten sich mit vorauseilenden Gehorsam für ihr Tun entschuldigen.
@Daniel „… Die beiden Menschen können sich ja gern mal mit anderen Menschen aus autoritären Systemen darüber austauschen …“
Warum sollten sie das? Und wer weiß, vielleicht haben das die beiden Künstlerinnen getan oder sogar eigene Erfahrungen diesbezüglich gemacht. Und vielleicht ist gerade dadurch das Thema ihrer Arbeit entstanden.
Vielleicht beziehen sich die Künstler ja auf die Kriegsrethorik beispielsweise in Russland?
@Hanisch: Genau, hier müssen sie sich Kritik gefallen lassen, anderswo Gefängnis oder schlimmeres. Ziemlich sicher, dass zur Meinungsfreiheit auch gehört, dass andere die eigene Meinung doof finden dürfen. Das ist dann auch keine Unterdrückung, sondern Diskurs?
Frage: „Vielleicht beziehen sich die Künstler ja auf die Kriegsrethorik beispielsweise in Russland?“
Mögliche Anwort: „Besonders kritisch betrachten sie die Nachwuchswerbung der Bundeswehr.“
Wer (Selbst-)Verteidigung mit Kriegsbefürwortung verwechselt, muss schon sehr in der Blase stecken. Da würde mal ein Gespäch mit Überlebenden aus Sarajevo oder Butscha den ideologisch gefüllten Kopf freiblasen.
@Hanisch. Sympathischer „Vergleich“ Deutschland, respektive Europa hat nichts mit den von dir genannten Staaten gemein. Von daher ist jede Opposition in diesen Staaten zu unterstützen und zu „hofieren“. Aber ich merke schon aus welcher Richtung deine „Kritik“ kommt. Eventuell sollte es mal eine Ausstellung über Verbrechen in diesen Staaten bzw. diesen politischen Systemen geben. Das dies notwendig ist, sieht man daran wie stark sich autoritäre „Linke“ in Dresden ausbreiten. Euer Höhepunkt waren die DDR und Iran Flaggen zum 1. Mai am Albertplatz…
Wie schön, dass man sich in der Neustadt für Meinungsfreiheit, unterschiedliche Perspektiven und einen offenen Diskurs einsetzt. Wie das in der Praxis funktioniert, durfte man kürzlich bereits beim Würstchen et frites Dealer bewundern. Wer politisch nicht die erwünschte Meinung vertritt, bekommt statt einer sachlichen Diskussion eben eine neue Fassadengestaltung und ein paar Drohungen gratis dazu.
Vielleicht sollte man die Ausstellung um ein Werk mit dem Titel Meinungsfreiheit ergänzen. Darunter ein frisch beschmierter Imbiss. Schließlich beschäftigt man sich hier ja mit der Diskrepanz zwischen Sprache und Wirklichkeit.
Frieden, Toleranz und Meinungsvielfalt sind wunderbare Werte. Solange die anderen auch die richtige Meinung haben.
@der jörg auch so ist dass, wir sind die kriegstreiber, ich bin manchmal schwer von begriff.
Wer es noch nicht kapiert: am schnellsten gibt es Frieden wenn man kapituliert! #LerneReimenOhneZuSchleimen
@DerJörg Mögliche Anwort: „Besonders kritisch betrachten sie die Nachwuchswerbung der Bundeswehr.“ Ich denke auch, das dafür nicht geworben werden sollte. Deshalb bin ich auch für eine allgemeine Wehrpflicht (Ersatzdienst). Niemand wird mir plausibel erklären können, warum es unmenschlich sein sollte, seine Familie und Nachbarn gegen einen Aggressor verteidigen zu können. Dass es ein Irrglaube war, nach der „Wende“ würde der Weltfrieden ausbrechen und Gewalt als politisches Mittel ausgedient haben, dieses dürfte hinreichend widerlegt wurden sein. Nebenbei: Ich wurde 2001 zu den „Gebirgsjägern“ eingezogen und bin dort in der „Waffeninst.“ gelandet. Politisch stand ich damals noch sehr viel weiter „links“ und habe da tatsächlich Leute auf meiner Stube getroffen, die plötzlich zum Waffenreinigen „Schlachtrufe BRD“ und „Skeptiker“ über die Anlage laufen ließen. In Bayern! Da im GG nichts von Kapitalismus als Bedingung für dessen Gültigkeit steht, habe ich auch gar keinen Grund gesehen nicht zur Bundeswehr zu gehen. Ganz im Gegenteil. Mein Gedanke damals war eher, dass ich doch nicht irgendwelchen Faschos meine Verteidigung überlasse. „Faschos“ habe ich zu meiner Verwunderung damals nur wenige angetroffen. Wenn man die Allgemeinheit aus dem Militär heraushält, dann muss sich allerdings auch niemand wundern, wenn da bald nur noch „Landser“ läuft. Auch diesen Typen bin ich natürlich gelegentlich begegnet und es war immer sehr angenehm zu wissen, dass auf den Schultern steht, wer wem etwas zu sagen hat. (Diese Landser-Nummer haben sie sowas von bereut.) Ich bin davon überzeugt, ein wesentlicher Punkt ist, dass innerhalb des Militärs zumindest auf Zeit alle Gesellschaftsschichten vertreten sein sollten, also den gesellschaftlichen Durchschnitt vertreten, denn sonst kann es ja nur zu Problemen führen. Nebenbei, es kann auch jeder Bürger zur Feuerwehr zwangsverpflichtet werden oder als Schöffe. Ich finde es nicht verkehrt.
@DerJörg ps. Ich kann mich erinnern, dass ich sogar in Uniform in der „VolXXküche“ der damals noch existierenden „E2“ (Erlenstraße) essen war, bevor ich zum Bahnhof gelaufen bin. Sicher, die wichtigen Leute kannten mich natürlich und trotzdem war es bisweilen spannend. ;)
@DerJörg „Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.“ Heraklit (-535) griechischer Philosoph
Ich möchte zumindest eine Chance haben auf der Seite der Freien zu sein/bleiben.
um 02:59 Uhr „dieses dürfte hinreichend bewiesen wurden sein.“ ;)