Am 29. Januar stimmten CDU, Team Zastrow und die AfD gegen die Weiterentwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs zu einem Ort, an dem der Deportationen während der Naziherrschaft gedacht werden soll. Auch wenn der Antrag letztlich mit knapper Mehrheit angenommen wurde, die Ablehnung hat Anne Herpertz erschüttert. Sie sitzt für die PIRATEN im Stadtrat und ist eine der drei Sprecher*innen des Bündnisses Dresden Wi(e)dersetzen.

Was das mit dem Gedenken an die Bombardierung Dresdens zu tun hat? Für Anne Herpertz genau alles. Denn es sei symptomatisch, dass man in Dresden lieber der Opfer gedenkt – zu denen man in erster Linie sich selbst zählt. Nicht so gern der eigenen Täterschaft. Das Bündnis Dresden Wi(e)dersetzen will das ändern – mit Aufklärung und Bildungsangeboten, einer Fokussierung auf andere Gedenktage und dem Widerstand gegen Neonaziaufmärsche rund um den 13. Februar.
Das Bündnis Dresden Wi(e)dersetzen ist ein Zusammenschluss von Gewerkschaften, den Jugendorganisationen linker Parteien und anderer antifaschistischer Gruppen. Die Zahl der Beteiligten kann Anne Herpertz nur schwer beziffern. Weit mehr als einhundert Personen seien es aber auf jeden Fall.
Seit 2022 hinterfragen die Aktivist*innen des Bündnisses die Dresdner Erinnerungskultur in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg. „Wie in keiner anderen deutschen Stadt ist das kollektive Erinnern geprägt vom eigenen Leid“, kritisiert Anne Herpertz. Dem setzt das Bündnis Bildungsangebote entgegen, die sich dezidiert mit der Täterschaft auseinandersetzen.
Erinnerungsfokus verschieben
In diesem Zusammenhang kritisiert das Bündnis auch den Fokus der breiten Zivilgesellschaft. Für die Kirchen, Hochschulen und Kommunalpolitiker*innen ist die Menschenkette am 13. Februar zum zentralen Ausdruck des Gedenkens geworden. Tage, an denen nicht das eigene Leid, sondern an fremdes erinnert wird, haben dieselben Gruppen in den vergangenen Jahren wenig Beachtung geschenkt.
„Wollen wir wirklich an die Zerstörung einer Gauhauptstadt erinnern? An deutsches Leid im Zweiten Weltkrieg?“ Das sind für Anne Herpertz die zentralen Fragen. Diese werden für sie auch nicht mit dem Verweis beantwortet, die Menschenkette sei ein grundsätzliches Zeichen gegen Krieg und für Versöhnung. „Der Holocaust war ein singuläres Ereignis. Das darf nicht relativiert werden, indem man alle Opfergruppen gleichsetzt.“ Die Neonazis würden diese Erzählung mit dem „Bombenholocaust“ nur klarer ausbuchstabieren, was die Stadt ganz ähnlich meint.
![Relativierung des Holocaust? Anne Herpertz findet, der Schrecken, der laut städtischer Inschrift "von Deutschland aus in alle Welt getragen" wurde, sollte nicht gleichgesetzt werden mit jenem, der "auch in unsere Stadt zurück[kehrte]". Foto: LogoX](https://monthlyfallback.neustadt-ticker.de/wp-content/uploads/2026/02/Dresden-Wiedersetzen-–-seit-fuenf-Jahren-gegen-Dresdner-Opfermythen-2.jpg)
Neonazis widersetzen
Ein anderes Argument der Initiator*innen der Menschenkette ist, man schütze die Innenstadt vor rechter Vereinnahmung, bilde eine symbolische Barriere vor Neonazis. Die Neonazis sind jedoch an einem anderen Tag rund um den 13. Februar unterwegs, in diesem Jahr am 14. Februar. Dann findet in Dresden der größte Neonazi-Aufmarsch Europas statt.
Anne Herpertz findet, statt symbolischem Handeln wäre hier Gelegenheit für tatsächlichen Widerstand. Die Organisation des Gegenprotestes ist neben der Bildungsarbeit ein weiterer Fokus von Dresden Wi(e)dersetzen. „Vonseiten der Initiator*innen der Menschenkette gibt es keinerlei Aufruf, sich diesem Aufmarsch entgegenzustellen“, erbittert sich Anne Herpertz, denn, „aus deren Sichtweise wird das Ereignis von links und rechts gleichermaßen politisch instrumentalisiert“.

Diese Haltung, die Gleichsetzung eines Neonazi-Aufmarsches mit dem Gegenprotest, spiegelt sich auch in der Zusammenarbeit der Stadt mit dem Bündnis wider. „Die angemeldete Route der Neonazis bekommen wir nie.“
Die Teilnehmer*innen zu mobilisieren, wird laut Anne Herpertz dadurch enorm erschwert. „Auch deshalb sind Spontanversammlungen mit friedlichen Sitzblockaden das Mittel der Wahl“, sagt Anne Herpertz nicht ohne zu betonen, dass diese von der Versammlungsfreiheit gedeckt sind. Dennoch stünden in der Bilanz der vergangenen Jahre null verletzte Polizist*innen aber Dutzenden verletzten Demonstrant*innen.
Je mehr Beteiligte, da ist sich Anne Herpertz sicher, desto sicherer ist es für den Einzelnen. „Wo viele sind, ist kein Platz für Nazis.“ Und auch wenn sich Anne Herpertz eine höhere Beteiligung vonseiten der Dresdner Bevölkerung wünschen würde. Mit etwa doppelt so vielen Gegendomonstrant*innen wie Neonazis haben sie und ihr Bündnis den Platz für Nazis bereits deutlich eingeschränkt.
- Das Programm und alle Infos zum Bündnis Dresden Wi(e)dersetzen: dresden-nazifrei.com
- aktueller Ticker zum Demogeschehen: linktr.ee/dresdenwiedersetzen


















Danke, vor allem auch an Dresden Nazifrei & Co! ❤️
Vielen Dank für diesen Artikel. Es war von Anfang an eine absurde Idee am 13. Februar in Dresden ein Gedenken zu zelebrieren. Das konnte nie funktionieren, ohne die Deutschen selbst zu Opfern zu machen.
Jetzt werden wir die Diskussionen um die Propagandazahlen von Goebbels so schnell nicht wieder loswerden, egal wie viele Gegengutachten und andere Zahlen es geben wird. Solange um diese Zahlen gefeilscht wird, bleiben die Deutschen die Opfer. Das ist im Angesicht der Katastrophen des deutschen Faschismus und WK2 eine Verhöhnung der Opfer der angegriffenen Staaten und der vielen anderen Opfer des deutschen Faschismus.
Jetzt werden wir die Nazis für viele Jahre in Dresden demonstrieren sehen.
Das Gedenken am 13. Februar in Dresden muss so schnell wie möglich enden und andere Formen des Gedenkens gefunden werden.
ein Freund meinte ein Tag der Stille wäre am besten. keinerlei Demos oder öffentliche Veranstaltungen an diesem Tag.
Der erste Artikelsatz ist (offensichtlich bewusst) falsch und propagandistisch. Es gab einen Antrag der CDU zu dem Thema mit dem Inhalt, dass das meiste Geld für die Weiterentwicklung des Gedenkortes erst dann freigegeben wird, wenn das Gelände der Stadt gehört. Ein Ersatztantrag von Grünen etc. wollte trotz fehlenden Gedenkort im Stadtbesitz große Teile der Gelder freigeben. Gegen diesen Antrag stimmte CDU etc. Weil eigener Antrag. Aber auch im Antrag der CDU bekennt diese sich ausdrücklich zum Gedenkort. Es ging nur um Finanzierungsfragen und ob man Geld in ein Projekt steckt, welches vielleicht wegen nicht Verfügbarkeit des Ortes scheitert. Die (besonders die veröffentlichte) „Wahrheit“ sollte ein hohes Gut sein.
@Matt: Mit dieser recht bequemen Strategie hat man den Gedenkzirkus großgemacht, die Faschos kamen nämlich trotzdem. Und kommen immer noch. Andersrum wäre besser: Vier, fünf Jahre hintereinander mal so massiver Gegenprotest, dass sie keinen Bock mehr haben, weil sie sowieso nur frierend & einpullernd im Matsch stehen.
In Dresden aber leider mittlerweile unrealistisch.
Hallo Nachgefragt: Dein Kommentar verkürzt die Sachlage. Es gab eine Vorlage der Verwaltung, Vorlage Nr. V0428/25 für die Weiterentwicklung des Nutzungs- und Betreiberkonzepts für den Gedenkort, insbesondere für Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit in Höhe von 100.000 Euro für 2026. Zu dieser Vorlage hat dann die CDU einen Ersetzungsantrag eingereicht, der bis auf 44.000 Euro die Mittel zurückstellen sollte. Daraufhin haben Grünen/SPD/FDP, einen Ersetzungsantrag eingereicht, der für die Sicherung der Arbeit des Vereins „Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof“ eine zweigeteilte Projektförderung in Höhe von 100.000 Euro gewährt, dagegen haben dann CDU, TZ und AfD gestimmt.
Ja, es stimmt, in dem CDU-Antrag wird sich zum Gedenkort grundsätzlich bekannt, gleichzeitig aber beantragt, dass die Mittel so weit gekürzt werden, dass eine Weiterarbeit des Vereins nicht oder nur sehr schwierig möglich ist. Im Antrag der CDU heißt es wörtlich „Die Weiterentwicklung des Nutzungs- und Betreibungskonzeptes wird zurückgestellt, bis Klarheit hinsichtlich einer Verfügbarkeit der benötigten Flächen besteht.“ Im Ergebnis haben sie aktuell gegen eine Weiterentwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs gestimmt. Der Satz oben ist somit nicht falsch.
@Peter Macheli: Gab es in den letzten Jahren anläßlich des 13. Februar rechte Demos, die nicht genehmigt waren? Dein Beitrag lässt dies vermuten, war dem so? Ansonsten sollte man vielleicht die Nicht-Teilnehmer der Gegenproteste fragen, warum sie sich nicht daran beteiligen. Da wird es ganz unterschiedliche Gründe für geben. Klar, die kann man dann alle pauschal als nichtig deklarieren, aber ändert auch nichts am Ergebnis. Und den Nichtteilnehmenden bestimmte Ansichten/Meinungen zu unterstellen, finde ich sehr problematisch. Diesen Eindruck habe ich leider auch an einigen Stellen beim Lesen des Artikels, können ggf. aber auch wiedergegebene Äußerungen von Dritten sein. Ansonsten schließe ich mich Matt an und bin mittlerweile auch der Meinung, dass es wohl besser wäre, wenn man rund um dieses Datum überhaupt keine Demos genehmigt. Weil nur eine verbieten, wird ja kaum durchführbar/haltbar sein.
@Anton Launer:
Ich lese dein Zitat „Die Weiterentwicklung des Nutzungs- und Betreibungskonzeptes wird zurückgestellt …“ so, dass das Konzept zurückgestellt wird und nicht die Weiterentwicklung des Objektes.
Das ist ein Unterschied! Wer den nicht erkennt oder erkennen will hat seine Gründe.
Denn wie du selbst schreibst „Ja, es stimmt, in dem CDU-Antrag wird sich zum Gedenkort grundsätzlich bekannt …“.
Das hat Frau Herpertz vielleicht auch gelesen, darüber dürfte man dann aber nicht erschüttert sein. Für ein Beitragsintro ist das natürlich zu seicht.
Dann lieber die Aussagen verdrehen und schreiben „… stimmten CDU, Team Zastrow und die AfD gegen die Weiterentwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs zu einem Ort …“, auch wenn es so nicht stimmt. Vielleicht mekt es keiner …
Liebes „Ehrlich bleiben“. Ich lese aus dem CDU-Antrag ein Anerkennen der Wichtigkeit der Gedenkstätte, gleichzeitig jedoch konkrete Einsparungen und eine Zurückstellung des Projektes. Im Ergebnis hätte das ein Stopp der Weiterentwicklung bedeutet.
Gern hier nochmal in voller Länge der CDU-Änderungsantrag:
Beschlussvorschlag:
Die Beschlussvorlage wird wie folgt ersetzt:
1. Der Stadtrat verurteilt Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen und sieht sein Er-starken in den letzten Jahren auch in Deutschland als große Gefahr. Der Stadtrat unter-streicht daher ausdrücklich die herausragende Bedeutung eines Gedenkortes mit einer Bil-dungs-, Vermittlungs- und kulturellen Begegnungsstätte am Alten Leipziger Bahnhof für Dresden, Sachsen und bundesweit. Die Landeshauptstadt Dresden ist angehalten, ihrer his-torischen Verantwortung auch für zukünftige Generationen gerecht zu werden.
Der Stadtrat nimmt das Nutzungs- und Betreibungskonzept für einen Gedenkort mit einer Jüdischen Bildungs-, Vermittlungs- und kulturellen Begegnungsstätte Alter Leipziger Bahn-hof, erstellt durch den Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof e. V. im Auftrag der Landeshaupt-stadt Dresden, zur Kenntnis.
Der Stadtrat beschließt:
2. Zur Sicherung der weiteren inhaltlichen Arbeit des „Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof e. V.“ im Jahr 2026 wird eine geteilte Projektförderung im Rahmen einer Zuwendung gewährt:
a) 32.000,00 Euro für die Durchführung der Ausstellung „Jüdische Realitäten“ (20.08. – 10.09.2026)
b) 12.000,00 EUR für die Erarbeitung von Bildungs- und Vermittlungsangeboten (bspw. Unterrichtsmodule, Workshops, Führungen, Rundgänge) insbesondere für die Klassen-stufen 8 und 9 als Angebot an Schulen in Dresden und Umgebung.
3. Die Weiterentwicklung des Nutzungs- und Betreibungskonzeptes wird zurückgestellt, bis Klarheit hinsichtlich einer Verfügbarkeit der benötigten Flächen besteht. Der Oberbürger-meister wird hierzu beauftragt, dem Stadtrat bis spätestens 30.05.2026 eine Vorlage vorzu-legen, die den Eigentumsübergang für die benötigten Flächen zum Gegenstand hat.
@Stefan E.: Weiß ich nicht. Meines Wissens ist in Dresden noch nie kreativ versucht worden, eine Nazidemo zu verbieten. Stört wahrscheinlich nicht genug Leute.
Man bräuchte zudem in Dresden dafür eine motivierte Verwaltung, Pegida hätte ja wahrscheinlich zum Kreislaufen auch in die Flutrinne abgeschoben werden können. Haben wir aber nicht.
Das Demonstrations- und Versammlungsrecht ist ein Grundrecht. Mit welcher rechtssicheren Begründung und von wann bis wann sollte ein Verbot denn wirken? Die fanden ja durchaus auch mal am 19.2. statt.
Kurz, es bleibt an Dir und mir hängen, ob es uns passt oder nicht.
Zitat von https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/518214/der-13-februar-1945-im-kollektiven-gedaechtnis-dresdens/:
„Einer ersten Spontandemonstration mit 40 Teilnehmenden 1998, folgte 1999 eine erste Anmeldung der extrem rechten Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO), die 150 Neonazis bis in die Nähe der Frauenkirche führte. Die steigenden Teilnehmendenzahlen verdeutlichen, dass der Mythos der sinnlosen Zerstörung der Kunst- und Kulturstadt mit vielen unschuldigen zivilen Opfern für eine bald europaweite Mobilisierung taugte. Im Jahr 2000 reisten 500 Nazis an, unter anderem Größen der Naziszene wie Franz Schönhuber oder Horst Mahler. 2001 nahmen 800 Personen aus dem gesamten rechten Spektrum teil: neben JLO, der NPD und anderen extrem rechten Parteien beteiligten sich in den Folgejahren grundsätzlich auch weitere Vertriebenenverbände und Freie Kameradschaften.
Vom Jahr 2005 bis zum Jahr 2009 stieg die Beteiligung von 4500 auf 7000. [..] Alt- und Neonazis ging es jedoch nicht nur um das Gedenken, sondern ums Ganze. »Völkische Identität wird beschworen, wenn ›das Gedenken und Erinnern [zu] einem wichtigen Grundpfeiler unserer Volksseele‹ erklärt wird und die Bombardierungen zu einem ›alliierten Massenvernichtungsunternehmen‹ motiviert aus ›eliminatorischen Antigermanismus‹ umgedeutet werden.«“
„Die Weiterentwicklung des Nutzungs- und Betreibungskonzeptes wird zurückgestellt, bis Klarheit hinsichtlich einer Verfügbarkeit der benötigten Flächen besteht.“
Was ist so falsch daran? Wenn am Ende keine Einigung mit dem bisherigen Eigentümer des Grundstücks erfolgt, ist das Geld für das Nutzungs- und Betreiberkonzept sinnlos verschwendet. Im Ersetzungsantrag der CDU wird wenigstens noch der OB dazu verpflichtet, „dem Stadtrat bis spätestens 30.05.2026 eine Vorlage vorzulegen, die den Eigentumsübergang für die benötigten Flächen zum Gegenstand hat.“ Nichts ist davon bei dem jetzt beschlossenen Antrag zu lesen. Also wird weiterhin ein Wolkenkuckucksheim geplant!
Im Übrigen wird hier ohne Einordnung eine leicht missverständliche persönliche Meinung der Interviewten jungen Dame wiedergegeben:
„Auch deshalb sind Spontanversammlungen mit friedlichen Sitzblockaden das Mittel der Wahl“, sagt Anne Herpertz nicht ohne zu betonen, dass diese von der Versammlungsfreiheit gedeckt sind.“
Die Grenze zur Ordnungswidrigkeit bzw. sogar Straftat ist dabei ganz schnell überschritten. Ich empfehle die Lektüre von https://www.juraforum.de/lexikon/sitzblockade
wo dies sehr klar dargestellt wird. Gerade bei Sitzblockaden gegen genehmigte Demonstrationen (auch wenn es Neonaziaufmärsche sind) ist die Versammlungsbehörde bzw. Polizei gehalten, sehr schnell eine Auflösungsverfügung auszusprechen. Und ich möchte die Sitzblockade sehen, die sich anschließend zügig ohne Widerstand auflöst …
Und, Herr Launer: der erste Satz mag formal richtig sein. Vom Inhalt her ist er so formuliert, dass das Stimmverhalten von CDU, Team Zastrow und der AfD negativ gewertet wird. Genauso gut hätte man – neutral – formulieren können, dass diese für eine Zurückstellung der Weiterentwicklung des Konzeptes bis zur Klärung der verfügbaren Flächen gestimmt haben (gemäß ihrem eigenen Antrag). Und Neutralität sollte doch Grundlage eines jeden Journalismus sein, oder?
@Anton Launer:
Auch aus dem längeren Wortlaut ist keine Passage zu entnehmen, die zu dem gemachten Beitragsintro “ „… stimmten CDU, Team Zastrow und die AfD gegen die Weiterentwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs zu einem Ort …“ führen könnte und sollte.
Ich weiß schon, als Einstieg liest es sich einfach besser, wenn da steht „… „… stimmten CDU, Team Zastrow und die AfD gegen …“. Da kann man bei der Interpretation schon mal grioßzügiger sein. Vielleicht mekt es keiner …
@Peter Macheli: Kenne mich im Versammlungsrecht nicht gut aus, aber kann mir gut vorstellen, dass es nicht ganz so einfach oder gar unmöglich ist, da Verbote auszusprechen, die dann auch Bestand haben. So wurde 2010 von der Stadtverwaltung die rechte Demo verboten, das Verbot wurde vom Gericht aufgehoben. Deshalb ist dann unmittelbar in dem Jahr die Menschenkette entstanden, die es bis heute gibt. Kann mir deren „Programm“ ganz oft durchlesen und finde es zu 100% unterstützenswert. Was da dann aber hineininterpretiert bzw. umgedeutet wird (siehe Artikel oben), finde ich schon sehr befremdlich. M.W. ist die Stadt dann, eventuell nach weitere Verbotsversuchen, dazu übergegangen, strenge Auflagen für die rechten Demos zu machen. Ja, stellt da unbedingt genügend Polizisten daneben und holt jeden Teilnehmer aus der Demo, der auch nur minimal gegen diese Auflagen verstösst. Wird die Teilnehmerzahl im Folgejahr sicher nicht erhöhen ;-)
PS: Pegida in der Flutrinne gab es auch schon. Und mein Eindruck ist, dass diese unsägliche Veranstaltung letztlich auch daran zugrunde gegangen ist, als es nicht/kaum noch öffentlichkeitswirksam stattfand, d.h. es wurde kaum noch darüber berichtet. Allerdings weiß ich auch hier nicht, in welchem Umfang man den Ort der Demonstrationen vorschreiben kann.
Was ich zu dem „Konzeptthema“ nicht verstehe, warum sucht man da nicht öffentlichkeitswirksam nach Unterstützern? Die Vorstellung „Das Konzept wurde über Spenden finanziert“ wäre doch jetzt so schlimm nicht?
@Scaramuccio:
Ich denke Journalismus sollte keineswegs neutral sondern objektiv sein. Der Ruf nach Neutralität kommt komischerweise immer aus der einen Richtung von Leuten, die meinen, dass die herkömmlichen Medien von wem auch immer gesteuert werden.
@rudi:
Neutralität ist schon lange ein etabliertes Kriterium für guten Journalismus und wurde, grob gesagt, als Trennung von Nachricht und Meinung definiert. Leider lässt sich absolute Neutralität kaum erreichen, so dass andere Kriterien – wie auch die von Ihnen angeführte Objektivität, aber auch Ausgewogenheit, Überparteilichkeit und Unabhängigkeit – seit einiger Zeit hinzugezogen werden.
(Ich empfehle folgende Lektüre: https://journalistik.online/ausgabe-2-2022/neutralitaet-und-werte-im-journalismus/)
Auch unter der Beachtung aller dieser Kriterien bleibt der erste Satz zu kritisieren. Meinung bzw. Wertung haben nichts mit Objektivität zu tun, und dieser erste Satz ist wertend formuliert.
Übrigens komme ich nicht aus einer Ecke oder Richtung, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. Im Übrigen habe ich gar nichts dagegen, wenn im Artikel klar gekennzeichnet irgendwo eine Meinung geäußert wird. Ich freue mich auch immer über eine gesittete, mit validen Argumenten unterlegte Diskussion.
Was ist falsch daran, den Opfern der Bombennacht zu gedenken? Mein Vater hat mir den Keller auf der Leisniger Straße gezeigt, wo er als 3 jähriger unter der Wendeltreppe und von seiner Mutter geschützt überlebt hat. Andere seiner Altersgenossen hatten nicht so viel Glück. Für mich sind das Opfer im klassischen Sinne.
Weiterhin finde ich es immer etwas unglaubwürdig, wenn junge Menschen, die in Frieden, Demokratie und Freiheit mit allen Annehmlichkeiten aufgewachsen sind, und keinen Unrechtsstaat selbst erlebt haben – also noch nicht mal die DDR – sich heute hinstellen und rückwirkend alle Menschen einer Epoche verurteilen. Sie haben keine Ahnung davon, wie Alltag und Leben in Unfreiheit organisiert werden müssen. Hier pauschal allen eine Täterschaft zu unterstellen ist sehr einseitig.
Jeder weiß, dass Dresden nur zerstört wurde, weil Deutschland den zweiten Weltkrieg begonnen hat. Die Zerstörung Dresdens zeigt ja eindrucksvoll, wohin das führt. Diese unfassbare Zerstörung sollte Mahnung sein.